Fehler 1:
Sie fallen auf Anbieter herein, die mit einer angeblichen „Schulungspflicht nach Art. 4 KI-VO“ werben.
Das klingt dramatisch.
Ist jedoch oft zu pauschal.
Art. 4 verlangt keinen bestimmten Pflichtkurs.
Und auch kein Zertifikat.
Die Bundesnetzagentur schreibt dazu: „Die KI-Verordnung legt kein bestimmtes Format der Maßnahmen fest. Das Format kann von Selbstlernprogrammen über Workshops und Schulungen bis zu mehrstufigen Fortbildungsprogrammen reichen – in Abhängigkeit des jeweiligen Bedarfs und des konkreten Kontexts. Dies kann sowohl organisationsintern als auch -extern erfolgen.“
Unternehmen müssen dafür sorgen, dass ihre Mitarbeitenden über ein ausreichendes Maß an KI-Kompetenz verfügen. Passend zur Rolle. Passend zum Einsatz. Passend zum Risiko.
Nicht jede Organisation braucht dieselben Maßnahmen.
Nicht jede Person braucht denselben Tiefgang.
Und nicht jedes Angebot, das mit Compliance wirbt, ist deshalb schon sinnvoll.
So entlarven Sie schwache Anbieter:
Sie verkaufen Angst statt Bedarf.
Sie sprechen über „Pflicht“, aber nicht über Ihre konkreten Anwendungsfälle.
Und sie bieten Standardfolien für alle, obwohl Art. 4 KI-VO gerade keinen Einheitsansatz verlangt.
Übrigens: Das Wort ‚Pflicht‘ taucht in Art. 4 KI-VO gar nicht auf.
Fehler 2:
Schulungen buchen, ohne vorher den tatsächlichen Bedarf zu ermitteln.
Viele Unternehmen schulen ins Blaue.
Dabei wäre zuerst zu klären:
Welche KI-Tools werden überhaupt genutzt?
Von wem?
Für welche Aufgaben?
Mit welchen Risiken?
Und welches Wissen fehlt konkret?
Erst dann wird aus Fortbildung ein sinnvolles Investment.
Statt Allgemeinwissen sollte in Einzelthemen investiert werden: Zum Beispiel,
wie sie konkret die Datenqualität erhöhen oder wie sie die KI-Nutzung dokumentieren sollten.
Fehler 3:
Zu viel Geld für Grundlagenwissen ausgeben.
Für den Einstieg braucht es kein teures Spezialtraining. Es gibt gute Möglichkeiten, Mitarbeitende solide und teilweise kostenfrei an KI heranzuführen.
Zwei Beispiele:
1. appliedai-institute[de] bietet kostenlose Einsteigerkurse zum EU AI Act. Sie geben erste Orientierung. Wer mehr will, findet dort kostenpflichtige Vertiefungen, ebenso bei Ben Hansen und Aleksandr Tjulkanov.
2. ki-campus[org] – eine kostenlose Lernplattform für KI, getragen vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft. Große Bandbreite, hohe Qualität, erstellt von erstklassigen Partnern.
Ein kluger Weg ist meines Erachtens dieser:
Grundlagen breit und kosteneffizient aufbauen.
Und erst danach gezielt dort investieren, wo es wirklich unternehmensspezifisch wird.
Mein Fazit:
Nicht jede KI-Schulung ist sinnvoll.
Nicht jedes Berufen auf Art. 4 KI-VO ist seriös.
Und nicht jedes Grundlagenwissen muss teuer eingekauft werden.
Der bessere Weg ist meistens einfach:
Erst Bedarf klären.
Dann gezielt qualifizieren.
Und Geld nur dort ausgeben, wo Standardwissen nicht mehr reicht.
Autor: Achim Korten, April 2026